Kompositionen des Salve Regina

 

Die marianische Antiphon "Salve Regina" hat Komponisten aller Epochen inspiriert, von der Gregorianik bis zu Andrew Lloyd Webbers Musical "Evita". Sowohl überschaubar-liturgische als auch großformatig-konzertante Werke sind in reicher Fülle entstanden. Am bekanntesten ist die einstimmig-liturgische Fassung, die sich im Gesangbuch "Gotteslob" unter der Nummer 666,4 findet. Die gregorianisch anmutende Melodie ist jedoch jüngeren Datums und stammt von dem wallonischen Komponisten Henri Du Mont (1610–1684), der in Maestricht und Paris gewirkt hat. Beachtung verdient aber auch die eigentlich gregorianische Melodie (s.u.: Musikbeispiele).

Inspirierend wurden immer wieder die bildhaften und affektreichen Worte dieser Antiphon: das Seufzen und Weinen als "Kontrapunkt" zur Gewissheit des Glaubens und Hoffens. Werke aus Barock bis Romantik stammen von William Byrd (1543–1623), Claudio Monteverdi (1567–1643) und Georg Friedrich Händel (1685–1759), dann von Joseph Haydn (1732–1809), Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847), Franz Liszt (1811–1886) und Josef Gabriel Rheinberger (1839–1901); letzteres Beispiel, das in großer, fast mystischer Ruhe ausklingt, hier in einer Aufnahme mit der Freiburger Domkapelle unter der Leitung von Raimund Hug (s.u.: Musikbeispiele). Herausragend im 20. Jahrhundert sind die Vertonungen von Petr Eben (1929-2007) und Francis Poulenc (1899–1963), wobei der Letzgenannte insbesondere der Süßigkeit und Milde – "o clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria" – im harmonisch reizvollen vierstimmigen Chorklang a cappella nachspürt. Diese Motette wird in unseren Musikbeispielen gesungen von der Cappella Cantorum Freiburg unter der Leitung von DKMD Wilm Geismann.

Das Salve Regina bildet auch den täglichen Höhepunkt des Stundengebets in der Wallfahrtskirche Einsiedeln. Im Anschluss an die lateinisch gesungene Vesper um 16.30 Uhr ziehen die Mönche des Klosters in einer Prozession zur Gnadenkapelle, um vor der "Schwarzen Madonna" ein mehrstimmiges Salve Regina zu singen; eine Tradition, die bis auf das Jahr 1547 zurückgeht. In der Erzabtei St. Martin in Beuron an der Donau erklingt das "Salve Regina" täglich nach der Komplet um 19.45 Uhr in der mittelalterlichen Fassung.

Ein besonders eindrucksvolles "Salve Regina" finden wir schließlich nicht in der Kirchenmusik, sondern in einer Oper mit dem Titel "Dialogues des Carmélites". Komponiert hat sie der bereits erwähnte französische Komponist Françis Poulenc im Jahr 1957 auf ein Libretto von Georges Bernanos. Es geht darin um das Schicksal eines Frauenklosters zur Zeit der Französischen Revolution, literarisch im Ausgang von der Novelle "Die letzte am Schafott" von Gertrud von Le Fort, an deren Entstehung im Übrigen Edith Stein beratend mitgewirkt hat. In der Schlussszene dieser Oper besteigen die Nonnen das Schafott unter dem Gesang des "Salve Regina", dessen Klänge – von den Schlägen des Fallbeils dumpf begleitet – immer leiser und zugleich immer eindringlicher werden.

Dr. Meinrad Walter

Bild: Mit freundlicher Gernehmigung des Secular Oratory, Philadelphia, USA

Musikbeispiele
 

Salve Regina (Gregorianik)

Dominikaner aus Idaho, USA

(mp3, 4,7 MB)

(externer Link)

Josef Gabriel Rheinberger, Salve Regina

Freiburger Domkapelle; Leitung: Raimund Hug

(mp3; 1,9 MB)

Francis Poulenc, Salve Regina

Capella Cantorum Freiburg; Leitung: Wilm Geismann

(mp3; 1,8 MB)

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