Marianische Spiritualität, gar Marienfrömmigkeit - ist das nur was für alte Leute? Wir sind der Frage nachgegangen und haben sechs Jugendliche und junge Erwachsene befragt.
"Maria ist für mich mehr als nur die Mutter Gottes, sie ist die Mutter Jesu und damit die Mutter der Kirche, denn ohne sie gäbe es das Christentum nicht, dafür bin ich ihr sehr dankbar", sagt der 24-jährige Rafael. In einer Umfrage zwischen sechs Jungen Erwachsenen zwischen 17 und 24 Jahren, äußerten sich nicht alle so begeistert von Maria wie Rafael.
Anna-Maria, Simone, Marion, Julia, Michael und Rafael stammen aus verschiedenen Gebieten der Freiburger Erzdiözese. Alle sechs haben einen größeren oder kleineren Bezug zur Kirche, meistens durch eine Aufgabe in der Jugendarbeit oder auch einfach durch das persönliche Gebet.
Jugendliche und ihre persönliche Beziehung zu Maria
Wie auch Marion, Michael und Simone hat die 17-jährige Julia zu Maria keinerlei persönliche Beziehung. Für sie ist vor allem die jungfräuliche Geburt Jesu fragwürdig. Dennoch sei es unfair, dass Maria immer etwas im Hintergrund stünde, vielleicht sollte die Kirche ihr mehr Beachtung schenken, wobei die vielen verschiedenen Marienfeste und -gedenktage im Kirchenjahr doch etwas zu viel des Guten seien.
Auch Michael verbindet persönlich nichts mit der Mutter Gottes: "Durch ihre Reinheit, ihre Tugenden und ihre Jungfräulichkeit fühlen sich viele Mädchen und Frauen zumindest in bestimmten Lebensabschnitten mit ihr verbunden, aber da ich ein Mann bin, habe ich keine Bindung zu ihr." Die 20-jährige Marion erkennt darin Marias Rolle in der Kirche: "Sie ist ein Vorbild für selbstständige und emanzipierte Frauen, sie ist Ansprechpartnerin in einer von Männern dominierten Kirche." Darin sieht Student Rafael einen Vorteil für seinen Glauben, denn im Gebet sei er zu Maria offener, als im Gebet zu Gott, es läge wohl daran, dass Maria weiblich ist.
Die "Person" Maria hat insgesamt an Bedeutung für Jugendliche und Junge Erwachsene verloren, wobei es vereinzelt begeisterte Maria-Anhänger unter Jugendlichen gibt. Vielleicht wäre es eine Hilfe Julias Aussage „Maria steht in der Kirche zu sehr im Hintergrund“ aufzufassen, um Jugendliche und Junge Erwachsene für die Mutter Gottes zu begeistern. Zwar haben immerhin drei von sechs Befragten gewusst, dass sie die Patronin der Erzdiözese ist, doch konnten nur drei Teilnehmer mehr Lebensstationen aufzählen als die Geburt Christi. Obwohl alle sechs kirchlich verankert sind, schreiben sie auch den Marienfesten im Kirchenjahr keine größere Bedeutung zu. "Mir sind keine Feste bewusst, aber wegen mir kann man sie ruhig lassen", so Julia. Und Michael ergänzt: "Eigentlich ist es zuviel, aber da die Feste außerhalb der Kirche nicht wahrgenommen werden, kann ja jeder selbst entscheiden, ob er mitmacht oder nicht."
Kann Maria heute noch Vorbild sein
Maria – ein Vorbild für die Jugend der heutigen Zeit? Wohl eher nicht. Zwar ist sowohl die 22-jährige Anna-Maria, als auch Rafael davon überzeugt, dass gerade "in Zeiten wie diesen Maria ein Vorbild wegen ihrer Unschuld und Reinheit ist". Simone bringt die Meinung der anderen vier auf den Punkt: "Maria ist für alte Menschen ein Vorbild, nicht für die Jungen". Ist für die Jungen Erwachsenen Maria eine Glaubensfigur von gestern? "Was hat sie den getan, außer als Auserwählte Jesus geboren?" fragte sich der 19-jährige Michael.
Nur Anna-Maria, hat durch ihren Namen einen besonderen Zugang zur Mutter Gottes entwickelt: "Ich bin stolz auf meinen Namen. Maria wird von der Kirche als 'perfekt' dargestellt, sie ist zu Recht ein Vorbild."

