Sr. Ancilla Fischer: Die Magd des Herrn - Ancilla

"Siehe ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast" (Lk 1,38). Diese Antwort Marias auf die Botschaft des Engels steht "Pate", wenn eine Ordensschwester den Namen Ancilla (Magd) annimmt. Gedanken zur Verkündigungsszene von der Kapuzinerin Sr. Ancilla Fischer.

 

Am 25.3. feiern wir jedes Jahr das Fest der Verkündigung des Herrn, im Volksmund oft "Mariä Verkündigung" genannt. Wir denken dabei an ein ganz entscheidendes Ereignis in der Geschichte Gottes mit dem Menschen (Heilsgeschichte). Bereits am Anfang der Heilsgeschichte steht im Buch Genesis (Gen 3,15) die Prophezeiung, dass eine "Frau" eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Mächte der Finsternis, gegen Satan, spielen wird. Bei Jes 7,14, findet sich der Hinweis auf die geheimnisvolle Schlüsselrolle einer "Jungfrau". In der Fülle der Zeit sendet Gott den Erzengel Gabriel zu Maria in Nazareth und verkündigt ihr das Kommen des verheißenen Messias, des Retters und Erlösers, des Sohnes Gottes. Sie soll seine Mutter werden. Nun ist klar: Maria ist DIE FRAU. Durch sie wird Gott Mensch, sie ist die Pforte, durch die Jesus als kleines Kind in diese Welt eintritt.

 

Was mich sehr beeindruckt, ist zunächst die Tatsache, dass Gott sein Handeln vorhersagt. Er bereitet die Menschheit auf das große Ereignis der Menschwerdung Gottes vor. Erstaunlich ist auch, dass Gott von Anfang an für sein Heilshandeln Menschen in Dienst nimmt – so auch Maria. Er will die Mitwirkung des Menschen an seiner eigenen Erlösung. Dabei stülpt Gott nicht einfach eine Berufung über die (den) Erwählte(n), so dass dem Menschen nichts anderes übrig bleibt, als mitzuwirken. Gott fragt an, Gott erklärt sogar sein Vorgehen, das Wie. ("Der Heilige Geist wird über dich Kommen..."; Lk 1,35) und das Wozu ("Er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen..."; Mt 1,21).

In der St. Michaelskirche in München befindet sich ein barockes Altarbild von Peter Candid (1587), auf dem die Verkündigungsszene dargestellt ist. Gott Vater und Engel schauen vom Himmel aus auf den Besuch des Erzengels Gabriel bei Maria. Wie wird Maria reagieren? Wird sie sich Gottes Anruf öffnen und ihm zustimmen? – Auf dem Bild ist das geheimnisvolle Ereignis bereits im Gange. Der Heilige Geist schwebt in Gestalt einer Taube auf Maria herab ("Die Kraft des Höchsten wird dich überschatten..."; Lk 1,35)" Gottes Wort fand in Maria eine menschliche Antwort – ihr Ja zu unserem Heil.

 

Auch heute noch ruft Gott Menschen in seinen Dienst. Er tut es meist sanft, werbend, fast zaghaft und – menschlich gesprochen – in "banger" Erwartung: Wird mein Ruf gehört, bejaht, angenommen? – Gottes Wort an den Menschen ist unverwechselbar. Da sich Gott den Menschen behutsam nähert, kann seine Stimme vom Lärm der heutigen Welt leicht übertönt werden. Im schweigenden Herzen ist sie vernehmbar. Und das mutige und gläubige Herz wagt es, diesem Ruf zu folgen. Das Jahr der Berufung in der Erzdiözese Freiburg möchte uns öffnen für Gottes Ruf, für seine Anfrage, unseren Lebensweg mit ihm zu gehen, ob in der Ehe, ob im Beruf als Zeuge Gottes in der Welt, ob als Priester oder in einem Orden. Gottes Anrufe geschehen täglich. Hören wir sie auch in scheinbar unbedeutenden Situationen?

 

Für mich persönlich ist Maria ein großes Vorbild, das Urbild gläubiger Hingabe an Gott. Sie lässt mit sich geschehen, was Gott vorhat: "Siehe die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du gesagt hast!" (Lk 1,38) (lat.: "Ecce Ancilla Domini. Fiat mihi.")

 

Das Fest der Verkündigung des Herrn ist auch mein Professtag im Orden der hl. Clara. Mein Name Ancilla (Magd) erinnert mich an die Hingabe Mariens und ruft auch mich in je neuen Situationen, die das Leben bringt, in das ja, in die Verfügbarkeit, in die Zustimmung, denn Gottes Anruf bedeutet auch Zusage: Ich bin mit dir – wir machen es gemeinsam.

 

Sr. Ancilla Fischer OSC

Kloster St. Clara, Limbach-Balsbach

 

 
 

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