Sr. M. Annuntiata Müller: Das "Ja" Marias - Maria Annuntiata

"Annuntiata" (= "Verkündigung") ist ein geläufiger Ordensname, der auf das Fest "Verkündigung des Herrn" zurückgreift. Was bedeutet dieser Name für die Zisterzienserin Sr. M. Annuntiata Müller?

 

In seiner Predigt am Tag meiner Einkleidung im Juli 1989 sagte mein Heimatpfarrer, als Ergänzung zu meinem Taufnamen sei mir mein neuer Name im Orden zugesagt worden: Schwester Maria Annuntiata. Und dieser neue Name sei Gabe und Aufgabe zugleich.

Maria Annuntiata – dieser Name ist abgeleitet von der lateinischen Bezeichnung des Festes der "Verkündigung des Herrn", bei der der Engel Gabriel der Jungfrau Maria verkündet, dass sie vom Heiligen Geist empfangen und einen Sohn gebären wird. Und Maria antwortet auf die Botschaft des Engels: "Mir geschehe, wie du es gesagt hast!" und willigt mit ihrem Ja-Wort ein in den Plan und Willen Gottes.

 

Vier Jahre später habe ich für das Professbildchen anlässlich meiner Feierlichen Profess einen Ausschnitt aus einer Darstellung der Verkündigungsszene ausgewählt und dazu das Wort "JA".

Der Engel tritt mit seiner Botschaft völlig überraschend in Maria’s Leben hinein. Sie reagiert erschrocken auf den Gruß des Engels und darf seine Antwort hören: "Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden." (Lk 1,30). Maria traut dem Engel und seiner Kunde, obschon die Verheißung der Geburt ihres Sohnes nach menschlichem Ermessen eine Unmöglichkeit ist. Aber "für Gott ist nichts unmöglich." (Lk 1,37). Die Heilige Schrift erwähnt keine weiteren Fragen Marias, nichts von ihren Bedenken, Zweifeln oder Ängsten. Maria kann nicht wissen, worauf sie sich einlässt, was alles auf sie zukommen wird, und kann doch – wohl mit festem Glauben und unerschütterlichen Gottvertrauen im Herzen – sagen: "Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast." (Lk 1,38).

 

Mein neuer Name erinnert mich immer wieder und immer wieder neu an diese biblische Geschichte der Verkündigung. Er erinnert mich aber auch daran, dass ich selbst jeden Tag , eigentlich jeden Augenblick eine von Gott Angerufene und Angesprochene bin, ein Mensch, dem von Gott her eine Botschaft verkündet wird. Im Hier und Heute will Gott zu mir sprechen und an mir liegt es, aufmerksam und mit wachen Sinnen durch meinen Alltag und mein Leben zu gehen, Seine Spuren zu entdecken, mich Seiner Gegenwart zu öffnen und Ihn in mein Leben eintreten zu lassen.

 

Von Maria kann ich lernen, ganz Auge für den mir von Gott zugeschickten "Engel" zu sein und ganz Ohr für das, was er mir sagen will. Dann kann für mich jede Begegnung und alles, was mir an Freud und Leid widerfährt, eine Einladung zur Begegnung mit Ihm werden, ein Anruf, der mich zuweilen auch herausruft aus allem bisher Gewohnten und Bekannten. Dabei bleibe ich von den Fragen nach Sinn und "Warum?", von Sorgen, Zweifeln und Ängsten nicht verschont. Aber wie Maria darf auch ich auf vielfältige Weise immer wieder das Wort des Engels hören und erfahren: " Fürchte dich nicht; denn du hast bei Gott Gnade gefunden." und "für Gott ist nichts unmöglich".

Maria hat auf die Botschaft des Engels, auf den Anruf Gottes gehört. Sie hat sich die Verkündigung zu Herzen gehen lassen und mit ihrem JA geantwortet. Sie war bereit, zu empfangen und als Beschenkte wurde sie selbst zur Verkündenden: "Meine Seele preist die Größe des Herrn… Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut…der Mächtige hat Großes an mir getan." (Lk 1,46ff).

 

In diese Herzensgesinnung und Demut Marias, ihren Mut, sich von Gott mit ihrem ganzen Leben in Dienst nehmen zu lassen, will ich immer mehr hineinwachsen.

 

Sr. M. Annuntiata Müller O.Cist.

Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld

 
 

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