Sr. Regina Lehmann: Regina - Maria Königin
Seit dem Mittelalter wird Maria als Königin der Engel und Heiligen verehrt. "Regina" - "die Königin" - ist einer der beliebstesten Tauf- und Ordensnamen. Was ihr der Name bedeutet, schreibt Sr. Regina Lehmann, Provinzoberin der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz.
Den Namen Regina habe ich als Ordensnamen gewählt. Maria sollte meine Namenspatronin sein, Maria, die Königin. Maria war für mich die königliche Frau, in deren Leben ablesbar ist, was der Wahlspruch, der in einem Namensbuch bei Regina steht, zum Ausdruck bringt:
"Wo der äußere Mensch vom inneren geleitet wird, ist die Seele königlich."
Dieser Spruch traf auf eine Sehnsucht in mir, noch sehr verborgen, mehr geahnt als erkannt. Nicht von Äußerem bestimmt werden, von Meinungen, Dingen, Wünschen, Erwartungen…, von dem, was sich laut gebärdet, sondern nach innen hörend, auf die leise Stimme, auf mein Selbst, achtsam auf das, was der Schöpfer in mich hineingelegt hat, auf den Funken Gottes in mir, der sich zur kraftvollen Energie entfalten möchte. Die Königin Maria sollte im Suchen dieses Weges mein Vorbild sein.
Während meines Ordenslebens wurde Maria für mich immer mehr die starke, selbstbewusste Frau mit der königlichen Seele, die nicht von außen bestimmt war, die nach innen hörend lebte und so bereit war für ihre Berufung - sich selbst und dem Schöpfer gehorsam. Dies nicht ohne zu fragen, zu prüfen. "Wie soll das geschehen…", fragte sie, blieb dabei aber offen auf Gottes Möglichkeiten hin. Diese Offenheit führte sie immer wieder in ein inneres Ringen um Erkenntnis.
Die Bibel erzählt uns von Situationen, die Maria, aus dieser Haltung heraus, zum mutigen Entscheiden und Handeln herausforderten.Besonders bedeutsam für mein Leben sind:
- Die Verkündigungsszene "Wie soll das geschehen…?" (Lk 1,34)
- Die Hochzeit zu Kanaan "Was er euch sagt, das tut!" (Joh 2,5)
- Die 4. Kreuzwegstation - Jesus begegnet seiner Mutter.
- Ihr Stehen mit Johannes unter dem Kreuz " Frau, siehe dein Sohn…"(Joh 19,26)
- Das Ausharren inmitten der Jünger - Herabkunft des Heiligen Geistes (Apg 1,14)
Maria zeigt sich hier für mich als die entschiedene, kraftvolle, mutige Frau, die sich loslassen kann auf den Größeren hin, auf Gott hin - eine demütige Frau, eine königliche Frau, eine vorbildliche Frau.
Der Blick auf Maria, dieses Lernen von Maria, war in jüngeren Jahren sehr von meinem Mühen und Wollen, von meiner Aktion (Kraft) bestimmt. Je älter ich werde, um so mehr wird dieser Prozess stiller, bescheidener, einfacher, ein Geschehen - Lassen.
Nach innen hören, sich vom "Größeren" leiten lassen, kann nicht gemacht werden - es ist ein Geschenk des Herrn, das mich ganz und gar fordert, aber nicht im Sinne von Machen sondern im aktiven Geschehen - Lassen. Es geschieht im Fragen, Hören, Unterscheiden, Entscheiden und Tun - ein immer neuer Klärungs- und Reinigungsprozess - ein immer neues Lernen in den verschiedensten Situationen des Lebens.
In diesem Prozess des Lernens und Werdens bin ich unterwegs mit den Menschen zu den Menschen - hörend, fragend, unterscheidend, entscheidend - ein anspruchsvoller Weg, für den ich Maria, die königliche Frau, um ihre Begleitung bitte. Dabei erfahre ich mich immer wieder als Beschenkte und stehe vor neuen Überraschungen, die mich lebendig halten.
Sr. Regina Lehmann
