Wege mit Maria - in der Schönstattbewegung
Eine ausgeprägte marianische Spiritualität zeichnet die internationale Schönstattbewegung aus. Ein Text von Dekan Lukas Wehrle, Diözesanleiter der Schönstatt-Ligagemeinschaften.
In der Schönstattbewegung, die 1914 in Vallendar am Rhein entstanden ist, hat sich unter der Anleitung des Gründers, Pater Josef Kentenich, eine reiche marianische Spiritualität entfaltet, die in den einzelnen Gemeinschaften der Bewegung viele und originelle Formen hervorgebracht hat.
Die kleine Marienkapelle in Schönstatt, gewissermaßen die "Wiege" der ganzen Bewegung, ist geistlicher Mittelpunkt der Gemeinschaft. Sie ist inzwischen auf allen Kontinenten nachgebaut und in vielen Häusern in origineller Form als "Hausheiligtum" eingerichtet worden. Mit dem Marienbild, das 1915 aus einem Antiquitätengeschäft in Freiburg nach Schönstatt kam, ist das Heiligtum sichtbarer Ausdruck der marianischen Spiritualität der Bewegung. Hier ist der Ort, an dem die mütterliche Gegenwart Marias erfahren werden kann, ihre Nähe, die Heimat und Geborgenheit schenkt, die aber auch formt und erzieht und die Mut macht, aufzubrechen, das Leben und die Welt mitzugestalten und Zeugnis zu geben vom Gott des Lebens.
In der Marienweihe, die der Gründer an diesem Ort mit den ihm anvertrauten Jugendlichen am 18.10.1914 vollzogen hat, liegt der Gründungsvorgang der Bewegung. Diese Weihe, die als ein "Liebesbündnis" verstanden und gelebt wurde, wird in unterschiedlichen Formen, persönlich und in Gemeinschaft immer wieder nachvollzogen. Es ist eine Form der persönlichen Verlebendigung und Vertiefung des Taufbundes, das konkrete Ja zu einer bewussten Bindung an Christus.
Das Liebesbündnis mit Maria will helfen, das Christsein mit ihr und in ihrer Haltung zu leben. ihre Offenheit für den Willen des Vaters, das Ja in der Stunde ihrer Berufung und ihre mutige und treue Christusnachfolge ist Ermutigung und Richtschnur für alle, die das Bündnis der Liebe mit ihr geschlossen haben. Um diese "Marienähnlichkeit" betet der Gründer:
Lass uns gleichen deinem Bild, ganz wie du durchs Leben schreiten,stark und würdig, schlicht und mild, Liebe, Fried und Freud verbreiten.
In uns geh durch unser Zeit,
mach für Christus sie bereit.
Das Liebesbündnis ist aber auch die Form, Maria in das eigene Leben aufzunehmen, wie einst Johannes unter dem Kreuz (vgl. Joh 19,26-27). Die Form des Bündnisses betont dabei den Charakter der Gegenseitigkeit: Ich schenke mich der Frau, die mir von Christus anvertraut und geschenkt ist. In ihr gehört alles dem Herrn: die Freuden und Sorgen des Lebens, der Berufsalltag, die Beziehungen, in denen ich lebe und alles, was mein Leben ausmacht. Ein Leben im Bund mit ihr hilft, in allem die Spuren Gottes zu entdecken und Christus als die Mitte des Lebens zu entdecken.
Ein Lied, das unter Jugendlichen der Schönstattbewegung entstanden ist, bringt dieses Bündnis mit Maria zum Ausdruck:
Mutter Maria, mit dir will ich gehen, lass meine Hand nie mehr los. So wie ein Kind ohne Angst und ganz frei geh ich den Weg nun mit dir.Du zeigst mir Christus, führst mich zu ihm hin, zeigst meinem Leben den Sinn. Mit ihm im Herzen, mit dir an der Hand, geht hin zum Vater mein Weg.
Dekan Lukas Wehrle
Diözesanleiter der Schönstatt-Bewegung im Erzbistum Freiburg
Schönstattbewegung
Die Schönstattbewegung gehört zu den charismatischen Lebensaufbrüchen in der Kirche unseres Jahrhunderts. 1914 von Pater Josef Kentenich (1885 - 1968) gegründet, ist sie heute in allen Kontinenten verbreitet.
Ziele
Die Spiritualität der Schönstattbewegung möchte den Menschen zu einer vertieften Glaubenserfahrung verhelfen, in der sie durch ein Bündnis mit Maria Gott erleben als den Gott des Lebens und der Geschichte, der sie als barmherziger Vater in seiner liebenden Vorsehung führt.
Dieser ruft sie in die Nachfolge Jesu zu apostolisch-werkzeuglicher Mitverantwortung in der Kirche und für den Aufbau einer neuen christlichen Gesellschaftsordnung.
Mitgliedschaft
Mitglied der Schönstattbewegung wird man durch eine Weihe an Maria ("Liebesbündnis"), durch die man sich zu einem Leben aus dem Taufbund verpflichtet.
Dieses Liebesbündis schließt mit ein:
- ständige Selbsterziehung (sich um Marienähnlichkeit bemühen)
- apostolischer Einsatz in Schule, Arbeitsplatz, Pfarrgemeinde
- Bindung an eine regelmäßig sich treffende Gruppe für die spirituelle Schulung
Struktur
Zur Schönstattbewegung gehören die sogenannten Verbände (Säkularinstitute, innerster Kreis), die "Bünde" (zweiter Kreis), die Gliederungen der Liga (dritter Kreis) und die Volks- und Wallfahrtsbewegung (äußerster Kreis).
In der Erzdiözese Freiburg sind Bewegungszentren mit jeweils einem sogenannten "Filialheiligtum" (genaue Nachbildung der Gnadenkapelle von Schönstatt in Vallendar) und einem größeren oder kleineren Begegnungshaus.
Kontakt:
Schönstatt
Pfarrer Lukas Wehrle
Kirchplatz 677704 Oberkirch
Telefon: 07802 / 9374-0
Schönstattzentrum Marienfried
Bellensteinstr.25
77704 Oberkirch
Telefon: 07802 / 92850
Telefax: 07802 / 928524
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