Das Heiligtum der Berufung in Merzhausen bei Freiburg

Die Bibel berichtet davon, dass Menschen an ganz unterschiedlichen Orten die Erfahrung machen, dass der Himmel die Erde berührt: Sarah und Abraham in Mamre, Miriam und Mose am Roten Meer… Heilsgeschichte verortet sich und wird greifbar-konkret. Im Neuen Bund wird ein Mensch - Maria - zu dem „Ort“, an dem und in dem Gott in unüberbietbarer Weise durch Jesus Christus gegenwärtig wird. Diese „berührende“ Geschichte Gottes geht weiter. Immer wieder sind es Orte, die auf die Gegenwart Gottes in der Geschichte der Menschen verweisen. Manche dieser Orte sind sehr persönlich und privat, stehen für Schlüsselerlebnisse im Leben Einzelner. Andere Orte sind für viele Menschen zu einem wichtigen Bezugspunkt geworden.

 

So ein Ort ist die Schönstattkapelle in Merzhausen bei Freiburg. Viele Frauen und Männer, Eheleute, Priester, Mitglieder der Schönstattbewegung aber auch von benediktinischen, franziskanischen oder karmelitischen Gemeinschaften haben hier wesentliche Impulse für ihren Berufungsweg erhalten. Als „Heiligtum der Berufung“ macht die Kapelle darauf aufmerksam, dass es die Ur-Berufung jedes Christen ist, wie Maria Heiligtum und somit Ort der Gegenwart Jesu Christi in unserer Welt zu sein. Auch viele suchende Menschen, die ansonsten wenig kirchlich sozialisiert sind, haben diese Kapelle als „ihren“ Ort entdeckt.

Der Wunsch von Mitgliedern der Schönstattbewegung, auch in Freiburg eine eigene Schönstattkapelle zu errichten, war schon viele Jahrzehnte alt. Im Zusammenhang mit einer Anfrage im Jahre 1978 aus Rom, welche Initiativen es in der Erzdiözese Freiburg zur Weckung und Förderung geistlicher Berufungen gäbe, kam der Gedanke auf, die geplante Kapelle im Anliegen der Berufungen zu errichten. Während des Freiburger Katholikentages wurde der Grundstein, ein Stein vom Turm des Münsters, gesegnet. Die Worte, die Mutter Teresa am selben Abend im überfüllten Münster sprach, wurden zur Ermutigung, diese Idee des Heiligtums der Berufung mit seinem ganz bewusst marianischen Ansatz zu verwirklichen: „Die Berufung unserer Lieben Frau war die Aufnahme Jesu in ihr Leben hinein – durch ihr Wort, das sie Gott gab: Mir geschehe nach deinem Wort… Der Ruf geht an Euch und an mich; denn jeder Christ ist aufgerufen, Gott anzugehören… Berufung heißt: zu Jesus gehören…“

1980 / 81 wurde unterhalb des Jesuitenschlosses auf der Gemarkung Merzhausen der Bau des Heiligtums vollständig in Eigenarbeit von Mitgliedern und Freunden der Schönstattbewegung errichtet. Samstag für Samstag traf man sich auf der Baustelle. Alle arbeiteten Hand in Hand, Familien, junge Männer, Studierende und Priester. Für die „Bauleute“ wurde diese Erfahrung zum Bild dafür, dass nicht nur der Bau der kleinen Kapelle, sondern der Bau der großen Kirche Gottes insgesamt von vielen ganz unterschiedlichen Berufungen lebt.

 

„Hand in Hand“ - dieses Symbol ist eingraviert in den Grundstein. Die Hand Gottes im angedeuteten Bundesbogen streckt sich aus nach der Hand des Menschen. Dieser ist – wie Maria – in Freiheit dazu berufen, Mitarbeiter bei Gottes schöpferischem und erlösendem Wirken zu werden. Gott möchte mit ihm einen Bund schließen. Es ist der originelle Ausdruck wesentlicher Elemente des christlichen Menschen- und Gottesbildes, die auch den Kern der schönstättischen Spiritualität bilden.

P. Josef Kentenich, der Gründer Schönstatts, charakterisiert den marianischen Aspekt der christlichen Berufung einmal in folgender Weise: Maria „dachte erst nach, welche Botschaft ihr der Engel gebracht. Dann holte sie sich Rat und Belehrung: ‚Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?’ Und erst danach sprach sie ihr Fiat. Das sei auch unsere Handlungsweise.“

 

Am 22. März 1981 wurde das Heiligtum vom damaligen Erzbischof Dr. Oskar Saier eingeweiht. Jeden Montag um 19.00 Uhr und jeden Samstag um 7.00 Uhr wird die heilige Messe gefeiert. Jugendgottesdienste (jeden letzten Mittwoch des Monats um 19.45 Uhr), sowie regelmäßige Familiengottesdienste, ein Gebetskreis „Eltern beten für ihre Kinder“, Maiandachten (mittwochs im Mai um 19.00 Uhr) sowie zahlreiche weitere Veranstaltungen prägen das Leben im und um das Heiligtum.

 

Im „Jahr der Berufung“ der Erzdiözese Freiburg feierte das Heiligtum seinen 25. Geburtstag.

 

Michael Gerber

Fotos: Schönstatt-Bewegung

 

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Weitere Informationen, aktuelle Termine und Kontaktpersonen finden Sie unter  www.heiligtumderberufung.de

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