Der Überlinger Rosenkranzaltar

Geschichte

In der ersten Südkapelle des Nikolausmünsters in Überlingen erhebt sich der prachtvolle Rosenkranzaltar der Bildhauerfamilie Zürn. Das Rosenkranzgebet wurde im Spätmittelalter eines der beliebtesten Gebete um die Fürbitte Mariens in allen Nöten und Anliegen. Besondere Verbreitung fand es wegen der Türkengefahr vom Balkan her. Der Seesieg von Lepanto unter Don Juan Austria 1571 über die türkische Flotte wurde dem Rosenkranzgebet zugeschrieben.  In Erinnerung daran wurde das Rosenkranzgebet auch im Dreißigjährigen Krieg intensiv gepflegt. So auch in Überlingen, als im Juli 1632 das Schwedische Heer unter Bernhard von Weimar und im Mai 1634 unter General Horn vor den Mauern Überlingens lag. Beide Male wird von der Gründung einer Rosenkranzbruderschaft und einer Wallfahrt nach Einsiedeln berichtet. Die bis heute zweimal jährlich stattfindenden Schwedenprozessionen gehen auf ein  Gelübde zum  Dank für die damalige Errettung der Stadt zurück.

 

In diesen Zusammenhang gehört auch die Errichtung des Rosenkranzaltares. Die Datierung darüber ist verwirrend. Nur ein Datum ist gesichert : Auf dem Kreuzigungsmedaillon die Signatur MZ 1631 ( Martin Zürn 1631). Nach verschiedenen zitierten "angeblichen" Quellen ist folgende Genealogie möglich :

 

  • 1631 erste Erteilung eines Auftrages an die Werkstätte Zürn für einen Altar, der aber durch die Kriegswirren nur anfänglich in Arbeit genommen wurde.
  • 1632 Gründung einer Rosenkranzbruderschaft durch den Dominikaner-Prior aus Konstanz, Ambros Englmann ( 3. 5. 1632 und 11. 7. 1634  Belagerung Überlingens)
  • 1632 Stiftung einer Pfründe und eines Rosenkranz-Altares von Justina Han/Schulthais und Sohn Johannes Han ( beider Wappen sind am Altar ), der Ehemann und Vater war schon 1628 gestorben.
  • 1633 Tod der Justina Han. Ein Epitaph gegenüber dem Altar gibt den Hinweis, dass der Altar auch dem Gedächtnis des Ehepaares Schulthais/Han gewidmet ist. Beide ruhen auch in der Kapelle.
  • Zwischen 1635 und 1640 Arbeit am Rosenkranzaltar durch Martin und David Zürn. Sie müssen noch einmal nach Überlingen gekommen sein müssen, obwohl sie wegen der Kriegwirren aus Oberschwaben nach Wasserburg am Inn ausgewichen waren und dort Werkstätten betrieben hatten. Stilistische Vergleiche deuten auf sie. Jörg kommt nicht in Frage, da er schon 1636 verstorben war.
  • 1640/1641 zwei Weihedaten werden überliefert, durch den Bischof Johann Truchseß von Konstanz.

Aufbau und Gestaltung

Auf einem breiten Sockel erheben sich außen zwei gedrehte Säulen, die durch ein unterbrochenes Gebälk abgeschlossen werden. Zwischen ihnen steht in einem großen blauen Oval als Hauptbild die apokalyptische Himmelkönigin mit dem Jesuskind auf dem Arm. Sie umgeben 6 Engelputten und am Ovalrand 15 Medaillons mit den Gesätzen des Rosenkranzes. Diese Kleinreliefs gehören nach dem Urteil von Fachleuten zum Eindrucksvollsten, was die Zürnfamilie geleistet hat.


Seitlich auf dem Gebälk stehen die Namenspatrone der Stifter, Johannes und Justina. Im Auszug scharen sich die männlichen und weiblichen Familienmitglieder der Stifterfamilie unter den Schutzmantel der Gottesmutter. Nicht ursprünglich zum Altar gehören die im 18.Jahrhundert eingefügten „Rosenkranzheiligen“ Dominikus und Franziskus am Fuß der Säulen. Der Altar ist in seinen Aufbauten, Szenen und Heiligen üppig, vorwiegend rot und golden gefasst. Vielfältige flache, plastische Ornamente und Girlanden überziehen die Altararchitektur. Sie führt den noch klaren Renaissance-Stil der frühen Bildhauerfamilie Zürn in die glanzvolle Barockzeit am Bodensee über.

 

Manfred Bruker

Fotos: Herbert Moll

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