Die Cistercienserinnenabtei Lichtenthal in Baden-Baden wurde im Jahre 1245 von Markgräfin Irmingard von Baden gegründet. Die sogenannte Fürstenkapelle des Klosters diente in der Zeit von 1288 bis 1424 dem Haus Baden als Grablege. In dieser Kapelle der steht die wohl älteste Marienstatue des Klosters: die Schlüsselmuttergottes, eine spätromanische thronende Madonna aus Holz. Sie stammt ursprünglich vom Andreasaltar der Fürstenkapelle. Dieser wurde 1503 durch den Annenaltar ersetzt, und die Marienstatue fand einen anderen Standort. Kopf, Hände und das Jesuskind sind nicht mehr original, sie wurden später erneuert. In einem Baubericht von 1832 ist diese Statue erstmals schriftlich erwähnt.
Viel älter sind die Geschichten, die mit diesem Bildnis verbunden sind:
"Es war mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Ganz Deutschland war von fremden Kriegsvölkern überschwemmt... Auch die Nonnen hinter Lichtenthals geweihten Mauern hatten davon vernommen... In banger Sorge beschlossen sie, als man vom Herannahen des Feindes hörte, ihr Heil in der Flucht zu suchen... Ehe man aber das teure Heiligtum verließ, versammelte man sich noch einmal in der Kirche und flehte den Herrn und seine gebenedeite Mutter an um Schutz für sich selbst und für die heilige, von Verwüstung bedrohte Stätte. Plötzlich erhob sich wie auf höhere Eingebung die Äbtissin, trat auf das Marienbild am Seitenaltare zu und hing diesem die Schlüssel des Hauses über den Arm, so gleichsam der himmlichen Schutzherrin Lichtentals feierlich die Behütung des Heiligtums übertragend..." (Nach: Maria Deodata, OCist., Frauenkloster Lichtental, 1915)
