Nach der Aufhebung des Freiburger Franziskanerkonvents 1785 wurde die ehemalige Klosterkirche St. Martin zur Pfarrkirche. Die Augustiner-Eremiten, als erste Pfarrer in St. Martin einsetzt, brachten das Gnadenbild "Maria vom Trost" mit nach St. Martin.
Die Augustiner-Eremiten mit Prior Thomas Zipfeli und dem bedeutenden Professor Engelbert Klüpfel in ihren Reihen brachten wohl an die neue und letzte Freiburger Wirkungsstätte ihr verehrtes Gnadenbild mit, das "Maria vom Trost" genannte Gemälde der Schwarzgürtel-Madonna. Nach I. Krummer- Schroth soll das im neugotischen Altärchen der Marienkapelle prangende entzückend schöne Muttergottesbild "aus Prag stammen."
Perlenstickerei an den Gewandsäumen der Madonna, deren echter Fingerring und das goldene Armreifchen des Jesuskindes geben einen Eindruck von der barocken Verehrung dieses wundersamen Bildes. Das Jesuskind streckt dem Betrachter einen schwarzen Ledergürtel entgegen, während sich Maria mit einem solchen umgürtet zeigt. Außer jedem Zweifel weist diese Darstellung des Maria-vom-Trost-Bildes auf ein Augustinerkloster hin. Die Augustiner-Eremiten pflegten die Verehrung der Schwarzgürtel-spendenden Madonna meist in sogenannten Maria-vomTrost-Bruderschaften, deren Mitglieder bei Versammlungen, Prozessionen und Gottesdiensten den schwarzen Ledergürtel als Zeichen der Verbundenheit trugen.
Das Urbild der Maria-vom-Trost-Darstellungen müssen wir in Bologna suchen. Es wird vermutet, dass dafür eine Ikone als Vorlage gedient habe. Die Maria-vom-Trost-Bilder zeigen meist eine sitzende Muttergottes vom Typ der thronenden Hodegetria (Wegzeigerin), die außerdem an frühmittelalterliche, allegorische Mariendarstellungen als Thron Salomons und Sitz der Weisheit für das auf ihren Knien gehaltene Kind erinnert. Mit einem schwarzen Ledergürtel um die Hüften und einem auf dem rechten Knie sitzenden Jesusknaben, der von ihr mit der rechten Hand am Ärmchen gehalten wird, bekam die Mariendarstellung den besonderen Charakter des Maria-vom-Trost-Gemäldes der St. Martinskirche. An einen italienischen Einfluß bei der Entstehung des Bildes zu denken, lässt sich deshalb nicht ausschließen. In der Kirche S. Giacomo Maggiore in Bologna wurde 1495 durch Pater Martin Vercelli eine Erzbruderschaft "Unsere Liebe Frau vom Trost" errichtet, für die das genannte in jene Zeit zu datierende und der Schule des Francesco Francia zuzuschreibende Gnadenbild gemalt wurde. 1575 vereinigte sich diese Bruderschaft mit der Gürtelbruderschaft "Unserer Lieben Frau" der Augustiner-Eremiten und wurde vor allem dem Schutz dieses in den Städten wirkenden, schlagkräftigen Bettelordens empfohlen. Man brachte das Motiv der Schwarzgürtel-spendenden Muttergottes (eine Parallele zum Bild der "Rosenkranzspende" der Dominikaner) überall als Bruderschaftsbild der "Gürtelbruderschaften Maria vom Trost" in die Augustinerkirchen ein oder verbreitete es in Pfarrkirchen, und zwar sowohl allein als auch in der szenischen Darstellung der Gürtelspende an die legendären Gründer der Bruderschaft (hl. Augustinus, hl. Monika, und andere Heilige). Die Verbreitung der genannten Bruderschaft und auch des zugehörigen Bruderschaftsbildes steht also in enger Verbindung mit dem Orden der Augustiner (sowohl der sogen. Eremiten oder Barfüßler als auch der damit nicht zu verwechselnden Augustiner-Chorherren).
Parallelbeispiele zum Freiburger Maria-vom-Trost-Gnadenbild lassen dessen Bedeutung für das religiöse Leben der Stadt während des 18. Jahrhunderts und auch den Grund erahnen, warum es wohl mit den Augustiner-Eremiten nach St. Martin übergesiedelt ist. Das Museum Liebighaus in Frankfurt a. M. präsentiert unter der Bestands-Nr. 191 ein Altarretabel aus glasierter Terrakotta mit der Darstellung der "Madonna della Cintola" aus der Werkstatt des Andrea della Robbia (1435-1525). Im Mittelfeld ist die Gürtelspende zu sehen. Maria, die von Engeln in den Himmel Erhobene, hinterlässt nach der Legende dem Apostel Thomas ihren Gürtel, der - im Dom zu Prato verehrt - Anlaß für diese in der Toskana häufige Darstellung der Madonna della Cintola gab. Der bei den Augustinern üblich gewordene Typ des Maria-vom-Trost-Gnadenbildes ist im Dom von Passau als Wallfahrtsbild, in Luhe/Pfalz in sehr hoher Übereinstimmung mit dem Freiburger Gnadenbild, in der ehemaligen Augustinerkirche Münchens, in Törwang, Maria Piain, Nesselwang, Augsburg, Salzburg, St. Erhard in Attaching, Rottenbuch, in Steinach Kinzigtal, in Soultzbach-les Bains (Oberelsaß) aus dem ehemaligen Augustiner-Eremitenkloster Memmingen und in Ribeauville (Rappoltsweiler), um nur einige zu nennen, vorhanden. Damit wäre das Freiburger Maria-vom-Trost-Bild, das vor 1785 nicht in der Franziskanerklosterkirche nachgewiesen werden kann, zu vergleichen.
