Maria im Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg

 

Im Treppenhaus des Erzbischöflichen Ordinariates
Das in den Jahren 1903 bis 1906 von Raimund Jeblinger (1853-1937) erbaute Freiburger Ordinariatsgebäude ist Sitz des Freiburger Erzbischofs und der zentralen Verwaltung der zweitgrößten deutschen Diözese. Zugleich gilt es als einer der „herausragendsten Bauten des Späthistorismus in Baden“ (Peter Kalchthaler). Bedeutsam ist es vor allem wegen seiner originellen Architektur und der aufwendigen künstlerischen Ausstattung. Insbesondere die vom Freiburger Atelier Schilling nach Entwürfen von Franz Schilling (1879-1964) geschaffene Ausmalung ruft bei Besuchern immer wieder ehrfürchtiges Staunen hervor.

Maria unter der monumentalen Darstellung des Hl. Geistes
Einen schon vom Umfang her gewichtigen Anteil am theologisch durchdachten ikonographischen Programm nimmt Maria ein. Als Gottesmutter wie als Patronin der Bischofskirche – des Freiburger Münsters – steht ihr diese bedeutsame Rolle zweifellos zu. Dass Maria im Jahr 1942, rund dreieinhalb Jahrzehnte nach Fertigstellung des Gebäudes, zur Bistumspatronin wurde, lässt die Entscheidung, ihr im Bildprogramm einen so großen Stellenwert beizumessen, rückblickend fast prophetisch erscheinen.

Schon im Treppenhaus lassen sich, wenn auch erst bei näherem Hinsehen, mehrere Mariendarstellungen entdecken. Etwa auf der Außenwand, ganz oben im Scheitel des mächtigen Tonnengewölbes, wo Maria zusammen mit ihrem Sohn in himmlischer Herrlichkeit thront (s.o.). Gegenüber, in Höhe des zweiten Obergeschosses, zu Füßen des als überdimensionale Taube dargestellten Heiligen Geistes, ist Maria ein weiteres Mal abgebildet. Indirekt erscheint sie bei der sinnbildlichen Darstellung der Architektur, die ein Modell des Marienmünsters der Reichenau (Augia dives) auf dem Arm trägt, und auch die von der personifizierten Bildhauerei bearbeitete Statue könnte eine Madonna sein.

 

Verkündigungsszene
Während Maria in der Ausmalung des Treppenhauses eher eine Nebenrolle spielt, kommt ihr im Bildprogramm des "Thomas-Nörber-Saals" zentrale Bedeutung zu. Seine Südwand wird dominiert von einem Zierkamin, auf dem der Evangelist Lukas – der Legende zufolge der erste Madonnenmaler – dargestellt ist. Er ist gerade im Begriff, ein Bild der Himmelskönigin Maria in dem auf seinem Schreibpult liegenden Folianten zu vollenden, wofür ihm eine auf den Wolken schwebende Marienerscheinung als Vorbild dient. Umrahmt wird die Szene vom Text des "Regina coeli". Rechts auf der Südwand ist die Verkündigung an Maria dargestellt. Ein scheinbar nebensächliches, gleichwohl symbolträchtiges Detail sind die Jugendstil-Madonnenlilien, teils noch knospend, teils schon erblüht.

Christkönig-Darstellung
Auf der Westwand findet sich links, als Kopie eines im 11. Jahrhundert entstandenen Vorbildes in der Georgskirche zu Reichenau-Oberzell, eine Darstellung des im Himmel thronenden Christus. Zu seiner Rechten steht Maria, die hier zugleich die "Ecclesia triumphans", die triumphierende Kirche symbolisiert. Auf der rechten Wandhälfte schließlich ist Maria als auf einem Regenbogen thronende Himmelskönigin und Gottesmutter dargestellt, die Jesus mit Buch und zum Siegeszeichen erhobener Rechter auf dem Schoß hält. Zu diesem Bild existiert gleichfalls eine mittelalterliche Vorlage – diesmal in der Turmvorhalle der Kirche des französischen Saint-Savin-sur-Gartempe.

 

Maria als Himmelskönigin
Das Ordinariatsgebäude als Sitz der Freiburger Bistumsleitung ist zunächst und vor allem ein Verwaltungsbau. Daneben wird es seit einigen Jahren zunehmend als eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Stadt Freiburg gewürdigt. Und schließlich ist es, wenn auch einstweilen noch kaum jemandem bewusst, ein in seiner Eigenart höchst interessanter marianischer Ort.

Dr. Christoph Schmider
Fotos: Christoph Hoppe, Dr. Christoph Schmider

 

Lukas malt die Gottesmutter
Literatur:

  • Kalchthaler, Peter: Freiburg und seine Bauten. Ein kunsthistorischer Stadtrundgang. 4. Auflage Freiburg 2006.
  • Schmider, Christoph: Das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg. Regensburg 2007 (Große Kunstführer Schnell + Steiner, Band 221).
  • Zimdars, Dagmar: Wieder entdeckt. Das Museum „zur Aufbewahrung kirchlicher Altertümer“ im Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege. 35. Jahrgang (2006), S. 91-98.

 

 


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