Das feine, gekröpfte Schnitzwerk im oberen Teil läßt den Altar leicht und anmutig erscheinen. Durch die zarte Schnitzarbeit hindurch wird die Lichtfülle des offenen Seitenchores erahnbar. Diese feine Neustädter Arbeit macht deutlich, dass sich die Neugotik vom Kunsthandwerklichen, durchaus mit ihrem Vorbild, der Gotik, messen kann.
Als Bekrönung des gesamten Aufbaues erscheint inmitten der feinen Schnitzarbeiten Maria mit dem Jesuskind, begleitet von musizierenden Engeln. Im Mittelteil des Altares ist als beherrschende Szene die Himmelfahrt und Krönung der Gottesmutter dargestellt, eine Szene von eindrucksvoller Größe, vor allem am Abend, wenn die untergehende Sonne das Gewand Mariens streift. Drei Engel mit wallenden, spätgotischen Gewändern tragen Maria, die, auf einer stilisierten Weltkugel thronend, in Demut betend und den Betrachter sanft anblickend, von der göttlichen Dreifaltigkeit in den Himmel aufgenommen wird. In der irdischen Sphäre, die durch ein angedeutetes Kircheninneres mit spitzbogigen Fenstern und Kreuzrippengewölbe kenntlich gemacht wird, knien die betenden Jünger Jesu und verfolgen das Schauspiel. Der Leib Mariens durchstößt das fein verzierte Bogensegment, das die Trennlinie zwischen irdischer und himmlischer Sphäre bildet. Auf diesem Bogensegment thronen rechter Hand Gottvater mit der Weltkugel in Händen und linker Hand Christus, der das Szepter hält. In ihren Händen halten sie die Krone, die sie Maria aufsetzen werden. Über dem Ganzen schwebt die Taube im Strahlenkranz als Symbol des heiligen Geistes.
