Marienkapelle im Europapark Rust

Um die vier Millionen Besucherinnen und Besucher kamen im Jahr 2006 zu dem für Kinder und Familien hoch im Kurs stehenden Europa-Park nach Rust. Dass es dort im norwegischen Themenbereich eine hölzerne Stabkirche gibt, wird auch von vielen entdeckt, da der Weg zum Fjord Rafting eben über die Insel mit der Stabkirche führt.


Unweit der Stabkirche ist jedoch eine viel ältere Marien-Kapelle zu finden, welche 1953 durch Baron Ruprecht Böcklin zu Böcklinsau initiert und feierlich eingeweiht wurde, damals allerdings in einem ruhigen Park gelegen mit einer stattlichen Anzahl von Bäumen. Selbst der Blick ins Elsaß und damit auf den gegenüber gelegenen Odilienberg war damals von hier aus möglich. Der Baron verfügte auch den Ort seiner Grablege an der nördlichen Außenwand eben dieser Kapelle seines Parks. Heute liegt sie unbemerkt von vorbeiziehenden Menschengruppen hinter dunkelroten Kletterrosen. Die Kapelle ist in ihrem Torbogen um die Jahreszahl 1954 mit einem tiefen Bekenntnis des Grafen umschrieben: SANCTA MARIA ORA PRO NOBIS!

 

Die Kapelle ist offen zugänglich und beherbergt neben einer geschnitzten Mutter Gottes mit Kind an der rechten Wandseite eine wunderschöne Majolika-Arbeit: Maria vor dem betenden Kind. Aus dem Himmel reichen Hände Maria eine Krone – so findet der Sprech-Gestus in der Hand des Kindes Jesu zur Mutter seine Entsprechung: als reine Magd erwählt worden zu sein. Die weiße Lilie hinter dem Kind ist sprechendes Attribut hierfür.

An der gegenüberliegenden Wand hängt eine originalgetreue Kopie des in einer Seitenkapelle des Freiburger Münster hängenden in Blattgold gefassten Böcklinkreuzes. Es war in mühevoller Arbeit durch die im Europa-Park wirkenden russischen Handwerker nach der Vorlage geschnitzt und vergoldet worden.
Vor der Kapelle stehen rechts und links vor dem Eingang zwei Bänke. Viele Parkbesucher ziehen auf dem recht belebten Weg im niederländischen Themenbereich vorüber, entdecken zwischen den Rosen kaum die Staffel mit ihren acht Stufen hinauf zur Kapelle. Doch immer wieder finden sich Einzelne, welche die Schönheit des Ortes entdeckt haben: eine Mutter mit ihrem zu stillenden Kind vor der Kapelle, oder Großeltern, welche den Ort schätzen lernten etwas abseits vom Trubel und mit dem feinen Rosenduft.

Ein kleines Holzschild im Garten an der Treppe lädt auch Paare ein diesen Ort für sich zu entdecken, vielleicht sogar einmal als ein möglicher Ort sich vor Gott und der kleinen anwesenden Gemeinde sich ewige Liebe zu versprechen.

Text und Fotos: Andreas Wilhelm