Ravensburger Schutzmantelmadonna in Freiburg

Maria breit den Mantel aus,
mach Schirm und Schild für uns daraus,
lass uns darunter sicher stehn,
bis alle Stürm vorübergehn.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

GL 595, 1)

Dieser Text eines bekannten Marienliedes drückt die menschliche Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit aus, danach, einen Zufluchtsort für die eigenen Sorgen und Nöte zu finden. Auch wenn dieser Text aus dem 17. Jahrhundert nicht mehr unserer heutigen Sprache und Ausdrucksweise entspricht, die Sehnsucht, die dahinter steht, ist dieselbe geblieben.

Auch heute suchen Menschen einen Ort, an dem sie mit ihren Problemen und Nöten, mit ihren ganz persönlichen Anliegen aufgehoben sind. Die Pfarrei Hl. Familie im Freiburger Westen hat bei der Umgestaltung ihrer Pfarrkirche eine Antwort auf dieses menschliche Grundbedürfnis und die Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit gesucht.

Schutz war auch das entscheidende Thema für die Umgestaltung der Kirche. Hierbei ging es jedoch zunächst um einen Schutz für die Kirche selber.


Da im Kircheninnenraum, der bisher tagsüber ganz geöffnet war, Beschädigungen und Verunreinigungen zugenommen haben, stand die Frage an, wie die Kirche davor geschützt werden kann. Die Antwort des Pfarrgemeinderates war ein Schutzgitter, das hinter den Bänken in die Kirche eingezogen wurde. Außerhalb der Gottesdienstzeiten ist jetzt nur noch der hintere Teil der Kirche geöffnet. Diese Lösung ermöglicht zum einen den Großteil der Kirche zu schützen und trotzdem einen Raum zu eröffnen für die Menschen, die tagsüber einen kurzen Besuch in der Kirche machen möchten. Um in diesem hinteren Teil ganz bewusst einen Ort zu schaffen, an dem Menschen mit ihren Anliegen aufgehoben sind, hat die Gemeinde eine Kopie der Ravensburger Schutzmantelmadonna erworben, die auf der rechten Seite im Schutzgitter ihren Platz gefunden hat.


Ein Schutzgitter mit Schutzmantelmadonna – eine gelungenen Lösung für die Kirche und für die Menschen.

Das Original dieser Mariendarstellung, das um 1480 von Michael Erhart geschaffen wurde, steht heute im staatlichen Museum in Berlin. Die Darstellung von Maria als Schutzmantelmadonna erlebte im 14. und 15. Jahrhundert, nicht zuletzt durch die Verbreitung durch die Dominikaner und die Zisterzienser, ihre Blütezeit.

Maria wird stehend dargestellt, mit einem weiten Mantel bekleidet, den sie selber vom Körper weghält, um darunter Raum zu schaffen für schutzsuchende Menschen. Unter diesem Mantel stehen auf beiden Seiten jeweils 5 Personen, Repräsentanten der verschiedenen Stände im Mittelalter, Vertreter von Gesellschaft und Klerus.

 

Die Darstellung der Mantelmadonnen wurzelt im mittelalterlichen Rechtsbrauch des Mantelschutzes: Durch das Bedecken mit dem Mantel wurde Verfolgten rechtlichen Schutz gewährt, auch Adoptionen wurden so vollzogen.

 

Maria breitet selbst ihren Mantel aus. Mit dieser Geste bietet sie uns einen Zufluchtsort an, für uns selbst und unsere Anliegen. Sie freut sich, uns zu „adoptieren“, uns aufzunehmen in die Familie derer, die heute bei ihr Trost und Hilfe suchen.

O Mutter der Barmherzigkeit,
den Mantel über uns ausbreit;
uns all darunter wohl bewahr
zu jeder Zeit in aller Gfahr.
Patronin voller Güte,
uns allezeit behüte.

(Gl 595, 4)

 

Text: Sr. M. Katharina Küster OSF

Fotos: Franz Ehret

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