Peter Thumb

 

geboren 18. Dezember 1681 in Bezau, Vorarlberg
gestorben 04. März 1766 in Konstanz

berühmter Baumeister aus der Vorarlberger Schule, der in Süddeutschland, der Schweiz und dem Elsass aktiv gewesen ist

Im 17. und 18. Jahrhundert kommen besonders viele Baumeister aus dem Bregenzerwald. In manchen Orten dieser Region arbeiten zu dieser Zeit neun von zehn Männern im Baugewerbe. Die Baumeistergruppen aus Vorarlberg haben auch untereinander einen engen familiären Zusammenhalt. Die Meister achten auf eine umfassende Ausbildung ihrer Lehrlinge und garantieren so den dauerhaften Erfolg der sogenannten Vorarlberger Schule. Zum Ende des 17. Jahrhunderts werden überall im Reich die Schäden aus dem 30-jährigen Krieg beseitigt. Gleichzeitig erholt sich die Finanzkraft vieler Landesherren und zahlreiche Klöster bekommen neuen Aufschwung. Unter diesen Voraussetzungen entsteht ein blühendes Bauwesen und Peter Thumb ist einer der am besten beschäftigten Meister gewesen. 

Als Sohn des angesehenen Michael Thumb macht er im Alter von 16 Jahren eine Lehre als Maurer und Steinmetz. Drei Jahre später wird er 'lediggesprochen' und geht auf Wanderschaft. Aufgrund seiner hervorragenden Begabung erhält er bereits mit 22 Jahren den Posten eines 'Paliers' beim renommierten Franz Beer von Bleichten, dessen älteste Tochter er heiratet. Als Bauaufsehers und Entwurfszeichner begleitet Peter Thumb seinen Meister, dessen Schaffensgebiet vor allem im Territorium der Fürstbischöfe von Konstanz liegt. In dieser Zeit verschafft sich das aufstrebende Talent zahlreiche Kontakte zur vorderösterreichischen Verwaltung und den Klöstern, die zu seinen wichtigsten Auftraggebern werden. Ab 1718 leitet er den Neubau der Benediktinerabtei Ettenheimmünster und erhält in rascher Folge weitere Aufträge unter anderem in St. Peter, St. Ulrich, Waldkirch oder St. Trudpert. Diese Arbeiten machen ihn zu einem der begehrtesten Baumeister am Oberrhein und führen zu stattlichem Reichtum. Im Jahr 1725 lässt sich Thumb in Konstanz nieder, wo er einige Jahre später zum Münsterbaumeister ernannt wird, dem Großen Rat und dem Stadtgericht angehört. 

 

Der Streit zwischen den Bürgern von Überlingen und dem Kloster Salem um ein Gnadenbild führt zum Entstehen seiner bekanntesten Arbeit. 1746 erhält Peter Thumb vom Abt Stephan II. den Auftrag zum Bau der Wallfahrtskirche Birnau am Bodensee, das als Hauptwerk der Barockkunst in Baden-Württemberg gilt. Für die Ausstattung gewinnt er den Bildhauer und Altarbauer Joseph Anton Feuchtmeyer, mit dem er schon in St. Peter gearbeitet hat. Die gesamte Anlage ist auf die fruchtbare und farbige Landschaft am Bodensee abgestimmt. Der Sakralbau mit seiner faszinierenden architektonischen und künstlerischen Komposition kann am 20. September 1750 eingeweiht werden. Zur feierlichen Einsetzung des Gnadenbildes gibt es ein zur barocken Frömmigkeit passendes Programm mit Predigten, Theater und Diskussionen.


Seinen letzten großen Kirchenbau kann Thumb ab 1749 in St. Gallen verwirklichen. Unter seiner Leitung entstehen die Klosterkirche und die Bibliothek, die beide mittlerweile zum Weltkulturerbe gehören.

Der Baumeister Peter Thumb leitet mit seinem Schaffen vom Barock zum Rokoko über. Seine Kirchen zeigen die Entwicklung von der Strenge des Vorarlberger Münsterschemas zu den verspielten Formen der Birnau oder in St. Gallen. 

  • Pfarrkirche Lachen (Kanton Schwyz), 1707-1711
  • Abteikirche Ebersmünster im Elsaß, 1708-1712 (Fassade und Türme) und 1719-1727
  • Klosterkirche (heute Pfarrkirche) St. Trudpert Münstertal, 1712-1722
  • Stadtresidenz des Fürstabts von Murbach, Gebweiler im Elsaß, ab 1715
  • Kloster und Kirchenumbau Ettenheimmünster, ab 1718
  • Wallfahrtskirche Thierenbach in Gebweiler im Elsaß, 1719-1723
  • Kloster Friedenweiler, ab 1725
  • Klosterkirche St. Maria in Frauenalb (Gemeinde Marxzell), 1727-1733 (als Ruine erhalten)
  • Kirche St. Margarethen in Waldkirch im Breisgau, 1732-1734
  • Kirche und Priorat Sankt Ulrich im Schwarzwald, 1739-1744
  • Klosterkirche und Bibliothekssaal in St. Peter auf dem Schwarzwald, 1724-1756
  • Kirche und Priorat Mengen, 1741-1744
  • Pfarrhaus Bermatingen, 1746-1747
  • Wallfahrtskirche St. Maria und Priorat Birnau, 1747-1750
  • Kirche St. Peter und Paul in Hilzingen, 1747-1749
  • Katholische Pfarrkirche in Mundelfingen, 1750-1751
  • Stadtpfarrkirche Tiengen, 1753-1755
  • Stiftsbibliothek und Krankenhaus der Fürstabtei St. Gallen, 1758-1767 

Literatur

Bernd Mathias Kremer (Hrsg), "Barockjuwel am Bodensee. 250 Jahre Wallfahrtskirche Birnau", Kunstverlag Fink, 2000, ISBN 3-933784-71-9