Auch in Freiburg versammelten sich am 12. Mai rund 700 Frauen und Männer aus der gesamten Erzdiözese auf dem Freiburger Münsterplatz. Die engagierten Christinnen und Christen hatten angekündigt, den an diesem Tag stattfindenden Weihegottesdienst mit einer Demonstration für die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern zu begleiten. Erzbischof Stephan Burger, der im Anschluss an den Gottesdienst den Dialog mit den Organisatorinnen suchte, ging bereits in seiner Predigt auf die Aktion ein. Der Erzbischof sagte, theologische Ansätze und lehramtliche Aussagen stünden hierzu im Widerstreit. „Und die lehramtlichen Aussagen hinsichtlich der Zulassung zu den Ämtern sind bislang von römischer Seite sehr eindeutig ausgefallen. Ich werde diese Spannung heute nicht lösen, lösen können. Ich werde diese Spannung heute mit Ihnen als Mitfeiernde oder nachher mit den Demonstrierenden aushalten müssen.“
Fakten und Fragen zu Maria 2.0
Angesichts der bekannten und unbekannten Fälle von Missbrauch und Verletzungen jeglicher Art in der römisch-katholischen Kirche und deren teilweiser Vertuschung und Verdunkelung durch Amtsträger fordern die Initiatoren der Aktion "Maria 2.0"
• kein Amt mehr für diejenigen, die andere geschändet haben an Leib und Seele oder diese Taten geduldet oder vertuscht haben
• die selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte und uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden
• Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche
• Aufhebung des Pflichtzölibats
• kirchliche Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen auszurichten
• kein Amt mehr für diejenigen, die andere geschändet haben an Leib und Seele oder diese Taten geduldet oder vertuscht haben
• die selbstverständliche Überstellung der Täter an weltliche Gerichte und uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden
• Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche
• Aufhebung des Pflichtzölibats
• kirchliche Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen auszurichten
In einem Offenen Brief haben die Initiatoren diese Forderungen an Papst Franziskus formuliert. Außerdem haben die Initiatoren zu "Kirchenstreiks" im Marienmonat Mai aufgerufen (in der Woche vom 11. bis zum 18. Mai 2019 sollte keine Kirche mehr betreten und kein Dienst in der Kirche getan werden). In einzelnen Bistümern und Orten haben Gruppen darüber hinaus zu weiteren Protestaktionen aufgerufen.
Am 12.5.2019 äußerte Erzbischof Stephan Burger gegenüber den Protestierenden: "Für ihre Enttäuschung und Ihren Frust, dass Frauen zu den Weiheämtern unserer Kirche nicht zugelassen werden, habe ich Verständnis. Mir ist es ein wichtiges Anliegen, dass die aktive und verantwortliche Präsenz von Frauen in der Kirche weiter vorankommt, wenn dies auch aufgrund der bisherigen lehramtlichen Entscheidungen im Blick auf das Weiheamt derzeit nicht möglich ist. So hat Papst Franziskus noch in der vergangenen Woche betont, dass es zu einem möglichen Diakonat der Frau in der katholischen Kirche in absehbarer Zeit keine Entscheidung geben wird. In der Erzdiözese Freiburg haben Frauen in der Kirche wie Sie als Pfarrgemeinde- und Stiftungsrätinnen, Gemeinde- und Pastoralreferentinnen sowie in vielen Bereichen der Caritas, Bildung und vielen anderen Bereichen verantwortliche Positionen inne. Ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass der Anteil von Frauen in Führungs- und Leitungsaufgaben erhöht wird. So habe ich in unserer Erzdiözese als erster Diözese Deutschlands eine Kommission für Geschlechtergerechtigkeit einberufen. Ich lade die Organisatorinnen der Aktion Maria 2.0 in Freiburg ein, ihre Anliegen in die Arbeit dieser Kommission mit einzubringen. Es steht für mich außer Frage, die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker weiter aktiv voranzubringen. Frauen und Männer in unserer Erzdiözese engagieren sich hier außerordentlich, einschließlich der Präventionsarbeit."
Im apostolischen Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" schreibt Papst Johannes Paul II: "Die Priesterweihe, durch welche das von Christus seinen Aposteln anvertraute Amt übertragen wird, die Gläubigen zu lehren, zu heiligen und zu leiten, war in der katholischen Kirche von Anfang an ausschließlich Männern vorbehalten. An dieser Tradition haben auch die Ostkirchen getreu festgehalten." (OS Nr. 1).
Weiter schreibt er: "Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben." (OS Nr. 4)
Die Unfehlbarkeit, d.h. Endgültigkeit dieser Position, wurde zuletzt von der Glaubenskongregation (im Mai 2018) sowie Papst Franziskus (2016) bestätigt.
Für den Freiburger Erzbischof steht es außer Frage, den Weg in der Gemeinschaft mit Petrus, mit dem Papst zu gehen. Zudem gelte es, "unsere unierten orientalischen Kirchen sowie die Orthodoxie überhaupt nicht zu vergessen." Erzbischof Burger geht davon aus, dass die Bischöfe in der Bischofskonferenz sich weiter mit dieser Frage beschäftigen werden, die aber im gesamtkirchlichen Kontext zu bearbeiten ist. (Predigt am Pfingstsonntag, 09.06.2019)
Mit einem Plakat, auf dem der Mantel der Gottesmutter in Form einer angedeuteten Vulva dargestellt ist, hatte sich die Fachschaft der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg den Protesten rund um die Aktion "Maria 2.0" angeschlossen. Darunter war der Text "Gegen Missbrauch und Ausgrenzung von Frauen in der Kirche" zu lesen. Das Foto, das auch in den Sozialen Medien veröffentlicht wurde, rief neben Zuspruch vor allem viel Kritik und teils heftige Reaktionen hervor. Kritiker sahen in dem Plakat eine unnötige Sexualisierung Mariens. Andere fühlten sich durch die Darstellung persönlich verletzt.
Nach eigenen Angaben (Stellungnahme nur lesbar mit einer Anmeldung bei Facebook) wollte die Fachschaft Theologie mit dem Motiv ein Zeichen gegen eine Benachteiligung und Unterdrückung von Frauen innerhalb der katholischen Kirche setzen. Die Studenten forderten dabei im Zuge der bundesweiten "Maria 2.0"-Bewegung eine stärkere Gleichberechtigung sowie Weiheämter für Frauen zu öffnen.
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