TrauerTheken
Ein Angebot in Buchen, Obrigheim, Sinsheim und Neufrach
Margit Halder, warum ist eine TrauerThek eine sinnvolle Einrichtung?
Wir stellen uns als Kirche dem Auftrag, Tote zu begraben und Trauernde zu trösten. Dies ist sogar eine Kernaufgabe unseres Handels. Heute kann und darf dies – auch auf Grund der Trauerforschung – nicht oberflächlich geschehen. Es bedarf neben der Trauerliturgie und den Gedenktagen Weiteres. Die TrauerTheken als Orte des Trostes und der Unterstützung sind in ihrer Konzeption so angelegt, dass Menschen sich sehr niederschwellig mit dem Thema Trauer präventiv befassen können. Ebenso bieten diese Bibliotheken aber auch Angehörigen und Trauernden selbst Wissens-, Trost- und Begleitungsliteratur. TrauerTheken gibt es bereits in Buchen, Obrigheim, Sinsheim und Neufrach.
Ein weiterer Auftrag von TrauerTheken ist es, Fachliteratur und Medien für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen in der Pastoral, den Kindertagesstätten, für Lehrkräfte aller Schularten und für haupt- und ehrenamtlich qualifizierte Trauerbegleiter*innen anzubieten.
Mit dem Wissen, dass etwa 40% aller Trauernden zeitweise oder über einen längeren Zeitraum eine Trauerbegleitung in Form von Einzelbegleitung oder in einer Gruppe benötigen, darf es keine Frage sein, ob wir uns als Kirche dieser Herausforderung stellen, sondern welche vielfältigen Angebote wir für Trauernde schaffen, verbunden mit Qualität und Wissen (Bildung) um die Trauer selbst, um Menschen wirklich hilfreich zur Seite stehen zu können. Damit sich für sie Leben wieder neu ereignen kann - trotz des Verlustes.
Der bisherige Text stammt von Ulrich Neubert, Leiter des Bildungszentrums Mosbach und Initiator des TrauerThek-Projektes in der Erzdiözese Freiburg.
Zwei der TrauerTheken, in Buchen und Sinsheim, sind in Verbindung mit den dortigen Religionspädagogischen Medienstellen eingerichtet worden. Die TrauerThek in der Schul- und Gemeindebücherei Obrigheim ist dabei mit Buchen verbunden. Diese Pilot-Projekte starteten 2018. Die TrauerTheken in der Religionspädagogischen Medienstelle in Sinsheim sowie in der Katholischen öffentlichen Bücherei in Neufrach wurden im vergangenen Jahr eröffnet. Wir haben mit den Verantwortlichen ein Interview geführt, um mehr über den besonderen Wert einer solchen Einrichtung für Menschen, die sich um das Thema Trauer kümmern oder die von Trauer persönlich betroffen sind, zu erfahren.
Margit Halder, warum ist eine TrauerThek eine sinnvolle Einrichtung?
Durch die Einbindung der TrauerThek in unsere Religionspädagogische Medienstelle ergeben sich viele Synergien: Sehr häufig kommt im Religionsunterricht aller Jahrgangsstufen und Schularten, auch schon in der Früherziehung, die Frage nach dem Tod auf, die Schlüsselfrage aller Religionen. Ausleiherinnen und Ausleiher der Medienstelle werden auf die TrauerThek aufmerksam und umgekehrt. So kam eine junge Frau, um sich Literatur in der TrauerThek aus Eigeninteresse ohne besonderen Anlass auszuleihen und ist inzwischen zur Stammausleiherin der Medienstelle geworden.
Margit Halder ist Medienberaterin in der Religionspädagogischen Medienstelle Buchen
Simone Maier, was überzeugt Sie an Idee und Praxis der TrauerTheken?
Durch die Anbindung der TrauerThek an eine Religionspädagogische Medienstelle lässt sich der Leser*innen- und Interessenkreis erweitern. Gleichzeitig bietet es durch die Vielzahl an Fachliteratur, Büchern, Bilderbüchern und Materialien zu Trauer und Trost den Medienstellenbesucher*innen, sowie Trauernden und Angehörigen, Pflege- und Fachpersonal, Trauer- und Hospizbegleiter*innen, Haupt- und Ehrenamtlichen, Lehrkräften und Pädagogischem Personal in Kindertagesstätten und weiteren pädagogischen Einrichtungen, die Möglichkeit, sich mit den Tabuthemen Tod und Trauer zu beschäftigen, es zu vertiefen, Trost zu finden und zu sensibilisieren. Allen Interessierten wird eine kostenfreie Ausleihe ermöglicht.
Die Materialien und Bücher können in Ruhe in einer dafür geschaffenen Räumlichkeit mit Sitzecke durchgeschaut werden. Die breitgefächerte Auswahl an Fachliteratur und Materialien gibt jeder und jedem interessierten Besucher*in die Möglichkeit, sich individuell mit den eigenen Bedürfnissen, dem Umgang mit Trauer und Verlust und den Erfahrungen zur Trauer auseinanderzusetzen. Sinnvoll ist dieses Angebot, da es alle Altersgruppen betrifft und auch dementsprechend Materialien und Literatur zur Verfügung stehen.
Als Trauerbegleiterin habe ich schon bei Betroffenen erlebt, dass es nicht einfach ist, sich zu öffnen und sich damit auseinanderzusetzen. Umso wichtiger ist es durch die TrauerThek einen weiteren Raum zu schaffen, um ins Gespräch zu kommen, Kontakte herzustellen und zu vermitteln.
Positive Rückmeldungen erhalten wir auch: Besucher*innen schätzen die Auswahl der unterschiedlichen Bereiche zu Suizid, spezieller Fachliteratur, unterschiedlichen Bilderbüchern, Erfahrungsberichten und Vertiefendes aus christlicher Sicht. Sie haben die wohltuende Atmosphäre, die gewinnbringende Beratung, den offenen und aufgeschlossenen Gesprächsaustausch durchweg sehr positiv und empathisch empfunden.
Simone Maier ist Medienberaterin in der Religionspädagogischen Medienstelle Sinsheim und Trauerbegleiterin
Jutta Stier, was ist Ihre Vision für die TrauerThek in Sinsheim
Die TrauerThek wird sich nach meinen Vorstellungen zu einem Ort entwickeln, an den die betroffenen Lehrkräfte kommen, um sich Material, Tipps, aber auch Gesprächszeiten abzuholen. Man muss nicht suchen, sondern man weiß, wo man Hilfe erhalten kann: kurze Wege, ohne hohe Hemmschwelle. Als Trauerbegleiterin sehe ich ebenso das niederschwellige Angebot als Chance: man möchte sich ein Buch entleihen und begegnet einem Menschen.
Jutta Stier ist Schuldekanin im Dekanat Kraichgau und Trauerbegleiterin
Dr. Sabine Mirbach, sind TrauerTheken, Religionspädagogische Medienstellen und Schulen ein gutes Team?
Trauernde Kinder und Jugendliche zu begleiten, gehört zu den existentiell herausforderndsten Aufgaben für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte. TrauerTheken und Religionspädagogische Medienstellen bilden ein gutes Tandem, weil sie die gemeinsame Zielgruppe bei dieser Aufgabe unterstützen.
Dr. Sabine Mirbach ist Direktorin des Instituts für Religionspädagogik in Freiburg
Interviews und Redaktion: Thomas Belke, Leiter der Mediathek für Pastoral und Religionspädagogik in Freiburg und Fachaufsicht für Religionspädagogische Medienstellen im Institut für Religionspädagogik in Freiburg.

