Am 1. Mai 1981 wurde nach zweijähriger Bauzeit die Bergkapelle zur "Jungfrau der Armen von Banneux" auf dem Gewann Bubenrath in Rinschheim (Stadt Buchen) durch Domkapitular Dr. Otto Bechtold, Freiburg (von 1988-2003 Generalvikar), einem Heimatsohn, eingeweiht. Die Weihe fand statt unter großer Beteiligung der Gemeinde und vieler auswärtiger Besucher (trotz strömenden Regens) mit einer hl. Messe auf dem grünen Rasen vor der Kapelle, bei der der Bruder, Pfarrer Alfons Bechtold aus Karlsruhe, der Initiator und Erbauer der Kapelle, die Ansprache hielt.
Die Bergkapelle "Jungfrau der Armen" in Buchen-Rinschheim
"Jungfrau der Armen von Banneux" - dieser Titel bedarf zunächst einer Erklärung. Von Januar bis März 1933 erschien in dem kleinen Dorf Banneux auf der Hochfläche der belgischen Ardennen die Gottesmutter der damals 11-jährigen Mariette. Zur Zeit der Erscheinungen zählte das Dorf Banneux etwa 350 Einwohner, vergleichbar der Größe des Dorfes Rinschheim. Mariette war das älteste von sieben Kindern der Arbeiterfamilie Beco. Vater Beco war arbeitslos, und die Familie der Kirche entfremdet.
Insgesamt waren es acht Erscheinungen, in deren Verlauf die "Schöne Dame", wie das Mädchen sie nannte, sich offenbarte als die "Jungfrau der Armen". Man bedenke von der Zahl der Erscheinungen und vom Inhalt her die Parallele zu den acht Seligpreisungen der Bergpredigt, die ja bekanntlich damit beginnen: "Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich." Am 22. August 1949 hat der Ortsbischof von Lüttich, Msgr. Kerkhofs, nach gründlicher Prüfung und mit der Zustimmung Roms die Echtheit der acht Erscheinungen anerkannt und drei Jahre später sein Bistum der "Jungfrau der Armen" geweiht. Heute ist Banneux bekannt als das kleine Lourdes.
Höhepunkt in der Geschichte des noch jungen Wallfahrtsortes war der Besuch von Papst Johannes Paul II. zum Abschluss seiner Apostolischen Reise in die Beneluxländer am 21. Mai 1985. Auch der Verfasser dieses Beitrages, der nahezu zwanzig Jahre zusätzlich zu seiner Arbeit als Pfarrer in seiner Gemeinde in Weinheim und später in Karlsruhe als Wallfahrtsprediger für die deutschen Pilger tätig war, durfte damals mit dabei sein. Als Dank für seinen seelsorgerlichen Dienst an den Pilgern wurde ihm eine Statue der "Jungfrau der Armen" geschenkt.
Die Statue hätte keinen schöneren Platz finden können als auf dem Bubenrath, dem höchsten Punkt (ca. 400 m) der Rinschheimer Gemarkung. Mit herrlichem Weitblick, bei schönem Wetter bis ins Hohenloher Land. Zugleich auch Wasserscheide zwischen Neckar und Main. So fließt der Rinschbach in den Neckar und die Morre, die im Nachbarort Hettingen entspringt, in den Main.
Bänke laden ein, um die Aussicht zu genießen, die sich zu jeder Jahreszeit immer wieder neu darbietet. Zur Kapelle gehört auch ein naturbelassener Lebensraum: Neben einem uralten knorrigen Kirschbaum neu gepflanzte und wild wachsende Bäume und Sträucher. Eine über hundert Jahre alte Steinhecke ist ein Paradies für Vögel. Eine Bergwiese mit inzwischen schon selten oder gar nicht mehr vorkommenden Wildblumen lädt zu einem beschaulichen Rundgang ein.
Wer kommt, kommt wieder. Davon erzählt das Besucherbuch. Hier ist eingetragen, was das Herz bedrückt und erfreut. Und immer wieder kann man lesen, was dieser Ort Besuchern bedeutet. Wer sich mehr noch interessiert für diese Kapelle und Zeit mitbringt, für den liegt ein Heft bereit als Hilfe zu Einkehr, Besinnung und Gebet. Vor allem aber auch eine Hilfe zum Verständnis der künstlerischen Ausgestaltung von Fenster und Decke durch Valentin und Christoph Feuerstein, Neckarsteinach.
Der Verfasser möchte die Stunden nicht missen, in denen er hier sein durfte. Gern spricht er dabei von seinem "Tabor". Jeder Mensch braucht sein Tabor, wo er wie Petrus sagen kann: "Herr, hier ist gut sein. Hier wollen wir bleiben...". So ist es nur mehr als verständlich, dass dieser Ort auch Dichter inspiriert wie Gottlob Haag, den "Dichter des Hohenloher Landes" und den aus Neudenau stammenden und in Karlsruhe lebenden Schriftsteller und Mundartdichter Bernhard H. Lott.
Alfons Bechtold
Fotos: Bertold Bier, Peter Bechtold
Hinweis: Vom Künstler Valentin Feuerstein stammt auch das Muttergottesfenster in der Karlsruher Liebfrauenkirche
