
geboren am 20. November 1830 in Konstanz
gestorben am 29. Juli 1913 in Sasbach
Franz-Xaver Lender ist ein hochgradig motivierter Seelsorger gewesen, der sein soziales und politisches Engagement als gelebte Konsequenz seiner Frömmigkeit betrachtet hat.
Der in Konstanz geborene Sohn eines Metzgermeisters besucht von 1842 bis 1847 das Gymnasium in seiner Heimatstadt. Als überzeugter Republikaner engagiert er sich bereits in jungen Jahren für Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie und hält feurige politische Reden. Kurz vor dem Abitur 1848 wird er allerdings wegen seiner Teilnahme am Hecker-Aufstand von der Schule verwiesen. Trotzdem findet der steckbrieflich Gesuchte ein Jahr später Aufnahme im Priesterseminar Freiburg und erhält 1853 die Priesterweihe durch Erzbischof Hermann von Vicari. Als Pfarrverweser bzw. Pfarrer wirkt er ab 1856 in Schwarzach. Wohlfahrtspflege und Gemeindefürsorge betrachtet Franz Xaver Lender als einen zentralen Bestandteil seiner Seelsorge. Darum gründet er einen Sparverein und eine Waisenanstalt. Für die Idee einer Schule verweigert der Gemeinderat von Schwarzach jedoch seine Zustimmung. Aus diesem Grund wechselt Lender 1872 als Seelsorger nach Sasbach.
Bereits drei Jahre zuvor gehört der Priester zu den Gründern der Badischen Volkspartei und wirkt als Zeitungsherausgeber. Als Abgeordneter im Badischen Landtag befürwortet er im kirchpolitischen Streit eine Verständigung mit der großherzoglichen Regierung und den nationalliberalen Politikern. Innerhalb der Volkspartei setzten sich jedoch zunächst die Vertreter einer kompromisslosen Richtung gegen den Fraktionsvorsitzenden Lender durch.
Als Zentrums-Abgeordneter zieht Franz Xaver Lender in den Berliner Reichstag ein, dem er mehr als 40 Jahre angehört. Der ehemalige Revolutionär erhält zahlreiche staatliche und kirchliche Ehrungen und wird am 31. Juli 1913 wie ein Fürst in Sasbach zu Grabe getragen.
Als die herausragendste Leistung von Franz-Xaver Lender gilt die Gründung der Heimschule in Sasbach, die seinen Namen trägt. 1875 beginnt der Unterricht mit vier Schülern im Pfarrhaus. Bereits zwei Jahre später wird die Tagesschule in ein Internat umgewandelt, obwohl die staatliche Genehmigung für den Lehrbetrieb erst 1880 erfolgt. Nach dem Willen ihres Gründers sollen die Lenderschen Anstalten dazu beitragen, den Priesternachwuchs im Kulturkampf zu fördern und tüchtige Laien heranzubilden. Bis zu Lenders Tod sind aus den Absolventen mehr als 400 Priester hervorgegangen, was damals einem Fünftel des gesamten Klerus im Erzbistum Freiburg entsprochen hat.
Heute ist die Heimschule Lender mit rund 1700 Schülern die größte Bildungseinrichtung innerhalb der Schulstiftung des Erzbistums Freiburg. Zu ihren Absolventen gehören führende Persönlichkeiten in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kirche. So ist Augustin Kardinal Bea hier ebenso Schüler gewesen wie der 2008 verstorbene ehemalige Freiburger Erzbischof Oskar Saier, der Journalist Franz Alt oder der ehemalige DFB-Präsident Hermann Neuberger.
Auf der Webseite der Heimschule Lender finden Sie Informationen zum Bildungsangebot und dem Profil der Schule.
Das Buch "Das Leben des Franz Xaver Leopold Lender" Max Oberhuber, Badenia-Verlag, 1984, ist nur noch antiquarisch erhältlich.


