Lächelnd steht Medanit Mengistu (35) vor ihrer Boutique. Es ist Markttag in Meki und sie wartet auf die ersten Kunden. Die Geschäfte gehen gut und Medanit kann sich und ihre beiden Kinder versorgen.
Das war aber nicht immer so. Mit 22 ging Medanit als illegale Migrantin nach Dubai, wo sie unter schlimmen Bedingungen und ständigem Missbrauch acht Jahre lang als Hausmädchen gearbeitet hat. Schließlich schaffte sie es zurück nach Äthiopien, aber der Missbrauch hat nicht nur körperliche und seelische Spuren hinterlassen; fortan war sie für ihre Familie eine Schande. So landete sie ohne Besitz oder Unterstützung auf der Straße. Bis sie 2021 Teil des Frauenprojekts „Empowering Urban Women in Meki Town“ (Frauen in Meki stärken) wurde. Mithilfe eines Mikrokredits und der erlernten Business-Skills eröffnete Medanit ein kleines Restaurant und bald danach eine öffentliche Dusche für Menschen aus Landwirtschaft und Handel, die an Markttagen den weiten Weg in die Stadt kommen. Diese Dusche wird viel genutzt und Medanit findet stetig neue, kreative Wege, ihr Geschäft zu erweitern. So stellte sie einen Tischkicker im Wartebereich auf und erst kürzlich hat sie ihre eigene Mode-Boutique eröffnet. Aus der traumatisierten, verstoßenen Rückkehrerin ist eine selbstbewusste Geschäftsfrau geworden.